SPD Kallstadt

Der SPD -Ortsverein wird 75 Jahre alt

Rede von Rainer Baumer am 24.09.2021

Guten Abend und herzlich willkommen,

heute, nach einer langen Zeit der Pandemie, bekommt jede Begegnung – noch dazu eine Begegnung unter Freunden – eine neue Qualität, eine besondere Qualität. Sie ist Rückversicherung und Neubeginn zugleich – ein Anknüpfen an das Bewährte und ein Wiedersehen auf eine ganz neue Weise.

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.

Kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Europa, also vor 75 Jahren, beantragte die SPD die Zulassung eines Ortsvereines in Kallstadt. Dies ist das erste schriftliche Dokument und Anlass, diesen Geburtstag zu feiern. Gerne ziehen wir Parallelen zum menschlichen Leben. Wir gratulieren dem Jubilar oder der Jubilarin zum hohen Geburtstag und wünschen Gesundheit und Zufriedenheit, dies in dem Wissen aller Beteiligten, dass die verbleibende Lebenszeit sehr begrenzt sein wird.

Wir feiern heute anders.

Das Jubiläum einer Partei, jedenfalls der SPD, ist nicht Anlass zu einer abschließenden Lebensbilanz. Es bietet zwar Anlass zu Rückblick und Dank. Zugleich aber und noch mehr ist es Anlass zu neuem Aufbruch mit modernen Antworten auf eine neue Zeit, gründend auf die immer geltenden Werte wie soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Erhaltung unserer Umwelt, Toleranz, Frieden und freiheitliche Demokratie. Dafür in der eigenen Gemeinde einzutreten und in konkrete Ziele vor Ort umzusetzen, dies war die Aufgabe der SPD in Kallstadt und wird es auch künftig sein.

Zur Vergangenheit:

Kurt Schumacher war es, der in Hannover am 6. Mai 1945 die Wiederbegründung der SPD ausrief.

Um den Willen zu zeigen, die Wiederbegründung nach dem 2. Weltkrieg voranzutreiben, möchte ich ein paar Zahlen nennen.

Am 30. September 1946 zählte die SPD in den drei Westzonen und in Berlin 633244 Mitglieder. Ende 1946 bestanden in den Westzonen über 8000 sozialdemokratische Ortsvereine, fast 3000 mehr als 1931 in diesem Raum. Auch die Sozialdemokraten in Kallstadt waren Willens, sich neu zu organisieren. In Kallstadt wurde dieser Neuanfang am 24. Mai 1946 im Lokal des Winzervereins durchgeführt.

    Gründungsmitglieder waren:
  • Köhler Ernst
  • Steinmetz Ludwig
  • Pletscher Karl (Vorsitzender)
  • Streibert August
  • Sonderschäfer Georg
  • Deppert Philipp
  • Heinz Hans
  • Berger Richard
  • Klein Karl
  • Freund Philipp
  • Strack Franz

Um Ihnen einen Eindruck von der Gründungsversammlung zu geben, zitiere ich die Rheinpfalz vom 1. Juni 1946.

"Gründungsnotiz:

Der Ortsverein KALLSTADT der SPD wurde in überaus gut besuchter Mitglieder- und Anhängerversammlung gegründet. Der Gründungsredner stellte die konkreten sozialistischen Wirtschafts- und Währungsforderungen heraus, die von allen schaffenden Ständen verstanden und begrüßt werden. Deutschland werde ein Bauernland werden. Durch die dem alten sozialdemokratischen Agrarprogramm entsprechende Bodenreform wurden bereits viele Tausende von Neubauernstellen geschaffen. Da wir auf kleinerem Raum zusammengedrängt leben müssen, müssen wir darauf mehr erzeugen. Der fortschrittliche Bauer und Arbeiter haben gemeinsame Wege und Ziele. Der zu beseitigende Kapitalismus liege außerhalb des Interessenkreises der schaffenden Arbeiter, Bauern, Handwerker, Gewerbetreibenden, Beamten und Angestellten, zwischen denen der Kapitalismus immer Misstrauen und Gegensätze erzeugt, um herrschen und im Trüben fischen zu können. Heute tobe sich der kapitalistische Geist letztmals im Schwarzhandel aus."

Zum Vorsitzenden wurde Genosse PLETSCHER gewählt.

Und so hat alles angefangen.

Seit 1992 hatten wir am Erlebnistag Deutsche Weinstraße im Kallstadter Hof und schönen Winzerhof Henninger-Allbach geöffnet. Am Vorabend des Erlebnistages Deutsche Weinstraße feierten wir unseren "Funzelowend", der sich zu einem beliebten Treffpunkt unserer Mitbürger entwickelte. Die ehemaligen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping und Kurt Beck waren unsere Gäste. Der Wurstmarkt Frühschoppen war immer ein besonderer Termin und Treffpunkt für unseren Ortsverein.

Zur Gegenwart:

Aktuelles und einiges über die SPD, heute ist die Zeit der großen Umbrüche und Herausforderungen. Die Zeit, in der man von allem immer mehr erwarten konnte, ist wahrscheinlich vorbei. Durch die Digitalisierung hervorgebrachten Veränderungen. z.B. Homeoffice, wie es jetzt allenthalben eingefordert werde, gefährde mühsam erkämpfte soziale Grundrechte: „Wie wird sich das Wohnen verändern, wenn es zugleich unser Arbeitsplatz wird?“ Die Arbeit vorwiegend über die digitalen Medien begünstige eine Anonymisierung der Gesellschaft. „Menschen brauchen Menschen und keine Mattscheiben“.

Eine weitere Gefahr sehe ich in der Zunahme von Egozentrik. Ein Egoismus nach Außen werde dabei schnell zum Egoismus nach Innen. Das Paradebeispiel ist Donald Trump, der mit seiner „America First“-Ideologie auch Selbstsucht auf der Ebene des Individuums befördert habe. Meine große Sorge ist, dass diese Werte verloren gehen, denn die Welt entwickelt sich in Richtung Trumpisten.

Die Werte der SPD. Ich habe sie eingangs erwähnt. Immer wieder in unserer Geschichte hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, für sie einzutreten. Die Gegenwart, in der manches wieder in Frage gestellt wird, was wir für selbstverständlich hielten, zeigt es. Für die SPD und ihre Grundwerte, die wichtig für unseren Staat und unsere Gesellschaft sind, gibt es nicht nur einen Platz. Sie wird gebraucht!

Wir messen uns nicht an der Vergangenheit und sind bereit für die Zukunft.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und einen schönen Abend.

gez. Rainer Baumer

Rainer Baumer

Zu dem Bericht über die Feier geht es >>> hier

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